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Leiser die Glocken nie klangen…
Kulturgut oder unnötiger Lärm? Das Geläut der Kirchenglocken polarisiert. Die evangelische Kirchgemeinde Walenstadt hat auf Kritik reagiert, den Lärmpegel gesenkt und den Klang verbessert.
Heiliger Bimbam. Die einen stören sich daran, für die anderen ist es eine lieb gewonnene Tradition: das Geläut der Kirchenglocken. Immer wieder sorgt es für Diskussionen und wird zur Glaubensfrage. Kirchliches Geläut ist als Teil der Religionsausübung verfassungsrechtlich geschützt. Die Kirchenglocken sind ein Stück klanggewordene öffentliche Kultur. Seit Jahrhunderten rufen die Kirchenglocken viertel-, halb- und stündlich auch die Zeit in Erinnerung. Was aus der Zeit gefallen scheint, ist bei vielen Menschen immer noch erwünscht. Gleichzeitig gilt das Geläut aus umweltschutzrechtlicher Perspektive als Lärm. Bei den Kirchenglocken ist die Situation in Sachen Lärm aber speziell. Das Geläut dient dazu, gehört zu werden. Deshalb machen sehr leise Glocken im Kirchturm keinen Sinn.
Schnarchen ist lauter als Glockengeläut
Diese unterschiedlichen Ansichten über den Einsatz der Kirchenglocken sorgen nicht für einen harmonischen Wohlklang, sondern für Misstöne. Kirchgemeinden, egal ob römisch-katholisch oder evangelisch-reformiert, sehen sich mit Beschwerden konfrontiert. Auch in der Region. In Walenstadt waren gleich beide Kirchgemeinden betroffen. Vor zehn Jahren kamen die Katholiken einer Beschwerde eines Nachbarn nach und verzichten seither in der Pfarrkirche St.Luzius und Florin auf den nächtlichen Viertel- und Stundenschlag. Ein Gutachten des kantonalen Baudepartements ergab vor dem Schlafzimmerfenster des Beschwerdeführers Messwerte bis 65 Dezibel. Das war gemäss den Lärmschutzexperten zu hoch. Dass beim Schnarchen im Schlafzimmer bis 90 Dezibel möglich sind, interessierte die Experten nicht. In den vergangenen Jahren beschwerten sich auch vereinzelte Anwohner der evangelischen Kirche in Walenstadt über die Lärmbelästigung durch das Glockengeläut und den Glockenschlag der Kirchturmuhr. Aufgrund dieser Reklamationen wurden 2017 Schallpegelmessungen durchgeführt. Die Resultate ergaben keine zu hohen Lärmemissionen. Während die damalige Kirchenvorsteherschaft keinen Handlungsbedarf sah, nahm sich der nachfolgende Vorstand dieser Thematik wieder an und unterbreitete den Kirchbürgerinnen und Kirchbürgern an der Versammlung 2024 drei Vorschläge: Beibehaltung der aktuellen Läutordnung, Überarbeitung der Läutordnung mit Kürzung der Läutzeiten und nächtlichem Abschalten der Kirchturmuhr sowie eine technische Optimierung der Akustik der Glocken. Mit diesen Massnahmen wollte die Vorsteherschaft die Kirche im Dorf beziehungsweise im Städtchen lassen. Die Versammlung entschied sich schliesslich für eine Optimierung.
Tiefere Lärmwerte
Diese Optimierung ist in den vergangenen Monaten erfolgt. Dabei hat für die Klöppel die letzte Stunde geschlagen. Neue Klöppel sorgen nun dafür, dass das Glockengeläut als leiser wahrgenommen wird. «Tatsächlich sind die Lärmwerte in der unmittelbaren Nähe der evangelischen Kirche bis zu fünf Dezibel gesunken», sagt Thorsten Bartz. Er war langjähriges Mitglied der Kirchenvorsteherschaft, gehört dem Rat seit März dieses Jahres nicht mehr an, ist aber immer noch für die Liegenschaften zuständig. Die niedrigere Lautstärke ist jedoch nicht alleine für einen angenehmeren Klang verantwortlich. Mit den neuen Klöppeln ist auch das Klangbild hörbar optimiert worden. Sie bewirken, dass der Glockenklang harmonischer, runder und wärmer geworden ist, da sie schrille Frequenzen und Anschlaggeräusche dämpfen.
Insgesamt wurden fünf Klöppel ausgetauscht. Der Grösste wiegt 83Kilogramm. Diesen zuoberst in den Kirchturm zu tragen, war eine Herkulesaufgabe. Aber die Firma Muribaer AG, welche die Arbeiten ausführte, ist sich das gewohnt. Sie ist schon seit über hundert Jahren auf Kirchentechnik spezialisiert. «Die gleiche Firma erneuerte bei uns auch die Audio-Anlage. Wir sind sehr zufrieden mit ihr», sagt Bartz. Das darf er auch sein. Neben guter Arbeit schloss sie die Arbeiten rund 6000Franken unter Budget ab. Die Endrechnung betrug 33600 Franken. Im Preis inbegriffen war eine Nachjustierung der Klöppel. «Sie wurden bewusst etwas länger gegossen und montiert, damit sie bei der Feineinstellung einfach etwas gekürzt werden konnten», so Bartz. Die neuen Klöppel sollten nun wieder einige Jahre ihren Dienst tun. Ewig halten sie nicht. Der Verschleiss beschränkt die Haltbarkeit. Aber 30 bis 50 Jahre sollten sie ihre Aufgabe erfüllen.
Alte Klöppel – neue Kerzenständer
Bartz und mit ihm die evangelische Kirchgemeinde hoffen nicht nur auf Langlebigkeit der Klöppel, sondern auch darauf, dass die kritischen Stimmen dem Glockengeläut gegenüber nun endgültig verstummen.
Im Dienst bleiben auch die alten Klöppel. Derzeit stehen sie im Gartenhäuschen und sollen später eine anderen Verwendung finden. «Aus den alten Klöppeln könnte man beispielsweise Kerzenständer fertigen. Am besten geben wir die Klöppel einem Kunstschmied. Dieser soll dann etwas Schönes daraus machen», betont Bartz.
Quelle: Sarganserländer